Interview: Annette Dabs trifft Bodo Schulte

Annette Dabs, Künstlerische Leiterin vom „Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst“ interviewt Bodo Schulte zu seiner Rolle als Backstage-Coach für DIE PUPPENSTARS.

Bodo Schulte (u.a. "Käpt’n Blaubär“ und Bert aus der „Sesamstraße“) ist Puppenspieler und Fernsehprofi in Personalunion und deshalb genau der Richtige für den Job als Berater und Backstage-Coach bei DIE PUPPENSTARS: „Auch wenn die Profis in ihrem Theaterbereich keinen Ratschlag mehr von mir brauchen, kann ich ihnen aber vielleicht dahingehend helfen, ihre Performance fernsehtauglich zu machen. Es ist für alle eine tolle Chance: Talentierter Nachwuchs wird gecoacht, sie können lernen, sich und ihre Nummern zu verbessern und die Profis können sich und ihre Kunst einem völlig neuen Publikum präsentieren.“

Annette Dabs führte ein Interview mit Bodo Schulte zu seiner Funktion in der neuen TV-Show. Mit freundlicher Genehmigung von Fidena.de veröffentlichen wir auf www.puppenstars.tv jetzt die ausführliche Fassung des Interviews in Schriftform (siehe unten). 

Annette Dabs, Künstlerische Leiterin vom „Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst“ interviewt Bodo Schulte zu seiner Rolle als Backstage-Coach für DIE PUPPENSTARS.

A. Dabs: Bodo wie würdest du deinen Beruf bezeichnen? 

B. Schulte: Ich bin Puppenspieler im Fernsehen aber auch im Theater. Ich habe eine eigene Bühne mit der ich immer wieder unterwegs bin, ich arbeite als Figurenbauer und bin Dozent an verschiedenen Bildungsstätten, führe Regie und schreibe auch.

 

A. Dabs: Und du hast mit diesen Dingen sehr lange Erfahrung und darum bist du angesprochen worden. Was genau sollst du denn tun bei DIE PUPPENSTARS?

B. Schulte: Ich bin angesprochen worden, weil ich verschiedene Spieltechniken kenne, beherrsche und natürlich als Coach arbeite. Und genau darum wird es auch bei meiner Arbeit für DIE PUPPENSTARS gehen. Ich glaube ich kann vielen Leuten behilflich sein und habe langjährige Erfahrung im Durchführen von Workshops im Figurenbau, Puppenspiel, Dramaturgie usw.. Da ich auch viel Fernseherfahrung habe, ist es natürlich auch möglich, den Leuten, auch wenn sie schon Profis sind und wahrscheinlich in ihrem Theaterbereich keinen Ratschlag von mir brauchen, dahingehend zu helfen, ihre Nummer fürs Fernsehen tauglicher zu machen oder auch vielleicht noch zu kürzen.

 

A. Dabs: Wie früh kommst du denn ins Spiel? Bist du denn schon bei den Bewerbungen dabei oder ab wann bist du denn im Einsatz bei DIE PUPPENSTARS? 

B. Schulte: Ich bin jetzt schon im Einsatz, wenn es darum geht Kontakte zu jungen Puppenspielern, aber auch zu Kollegen über die verschiedenen Verbände, Berufsverband VDP, UNIMA, Hochschulen und so weiter zu knüpfen. Und ich bin Ansprechpartner für viele Teilnehmer, die bei mir nachfragen: „Was ist denn das?“, „Ist das seriös?“, „Werden wir da vorgeführt?“.

 

A. Dabs: Was antwortest du dann?

B. Schulte: Ich antworte, dass ich bis jetzt sehr gute Erfahrungen mit der Produktionsfirma gemacht habe. Dass da Leute arbeiten, die sich mit dem Thema beschäftigen und es ihnen nicht darum geht, dass die Teilnehmer zu reinen Unterhaltungszwecken vorgeführt werden. Im Gegenteil, es geht darum, dass die Puppenspielkunst ernstgenommen wird. 

Des Weiteren werde ich bei den ersten Kennenlern-Runden mit dabei sein und begleite das erste Vorspielen der Kollegen und Kolleginnen.  


 

A. Dabs: Du könntest den Teilnehmern also nicht nur mit der Dramaturgie ihres Stückes helfen, z.B. „da müssen wir noch kürzen“ oder „das muss noch schneller werden“, sondern du könntest ihnen auch sagen, dass die Puppe in ihrer Bewegung noch ein bisschen verändert werden muss?

B. Schulte: Wenn das gewünscht ist, ja. Natürlich wird’s auch Kollegen geben, die sagen: „Ich habe diesen bestimmten Stil zu spielen". Es ist ja zum Glück so, dass es da unterschiedliche Meinungen und Stile gibt. Aber gerade bei jüngeren Kollegen bin ich natürlich Ansprechpartner, weil ich in vielen Spieltechniken zu Hause bin und sie beherrsche. 

 

A. Dabs: Wenn ich das richtig verstanden habe, dann wird das erste Kennenlernen also nicht ausgestrahlt? Es gibt also kein klassisches Fernseh-Casting? 

B. Schulte: Ja, das ist richtig. Die ersten Treffen mit den Puppenspielern werden lediglich für interne Zwecke mitgefilmt und nicht im Fernsehen ausgestrahlt. (Anmerkung der Redaktion: Erst die fertige Performance, die nach den Coachings und Proben bei den Studio-Aufzeichnungen im Januar 2016 gefilmt wird, kommt in die Fernsehsendung. Vorher finden mehrere rein interne Auswahlrunden statt. Hier wird der aktuelle Arbeitsstand der Performance gefilmt, allerdings nicht ausgestrahlt. Diese Aufnahmen benötigen wir intern für unser Auswahlverfahren, denn nicht jeder Teilnehmer, der sich bei uns bewirbt, kann in der Fernsehsendung auftreten.)

 

A. Dabs: Wahrscheinlich ist auch eine große Sorge von vielen Leuten, dass sie vorgeführt werden. 

B. Schulte: Diese Angst ist mir genommen worden. Ich war am Anfang auch skeptisch, muss ich ganz ehrlich sagen. Die erste Frage war: Wird das sowas wie eine Talent-Show, wo sich über die Teilnehmer lustig gemacht wird? Ganz klare Antwort: Nein!

 

A Dabs: Wie siehst du die Bandbreite, die präsentiert werden können? 

B. Schulte: Die komplette Bandbreite des Puppenspiels und Figurentheaters soll gezeigt werden. Also bis hin zu Grenzbereichen wie Maskenspiel und natürlich Schwarzes Theater, Marionette, Klappmaul-Puppe, Handpuppe, Stabfiguren, Großfiguren, Objekttheater und Materialtheater. Wir wünschen uns, dass man möglichst viele verschiedene Stile sieht.

 

A. Dabs: Wenn du sagst Marionettentheater, darf ich mal fragen, wie es hier mit der Zeit aussieht? Für Marionetten braucht man ja eigentlich eine gewisse Poesie und Ruhe, um die Kunst der Marionette wirklich zeigen zu können. Meinst du, dass man so eine Situation bei DIE PUPPENSTARS herstellen kann?

B. Schulte: Da kommt es sehr stark auf die Marionette und ihren Spieler an. Schon Albrecht Roser hat gezeigt, dass man im Fernsehen auch mit Marionetten spielen kann. Ich bin mir sicher, dass das geht und dass man es schaffen kann, diese Atmosphäre herzustellen. 

 

A. Dabs: Du wirst wahrscheinlich mit dieser Thematik häufiger konfrontiert: Wie gehst du damit um, wenn jemand aus der Szene sagt, dass das Figurentheater und Entertainment möglichst getrennt voneinander laufen sollen? 

B. Schulte: Ich unterscheide da nicht zwischen unterhaltsamer und ernstzunehmender Kunst. Für mich heißt Entertainment: Unterhaltung - und das muss einfach gut sein. Wenn etwas unterhaltsam ist, heißt das ja nicht, dass es dann nicht künstlerisch wertvoll ist! Im Gegenteil! Oft ist es so, dass Dinge die ganz leicht wirken - im Hintergrund und in der Vorbereitung - unglaublich viel akribische Vorbereitung, Training und Kunst bedürfen.

 

A. Dabs: Also kann man ganz selbstbewusst sagen, es funktioniert beides. Es gibt das Theater, da kann man sich mit den experimentellsten und unglaublichsten Dingen versuchen, aber genau das kann man in so einem Format wie DIE PUPPENSTARS auch, nur muss man eben die Form finden?

B. Schulte: Das ist die Herausforderung. Ich liebe den direkten Kontakt im Theater, man kann sich riechen, spüren, sehen; das ist natürlich was anderes, als wenn ich etwas über den Bildschirm sehe. Ich mag kein abgefilmtes Theater, wo nur 50% des Spirits übrig bleibt. Hier liegt definitiv die Herausforderung die Dinge, die auf der Theaterbühne oder in der Theaterwelt gezeigt werden so zu inszenieren, dass sie auch auf dem Bildschirm funktionieren.

 

A. Dabs: Das heißt, du wirst deinen großen Erfahrungsschatz mit allen Teilnehmern teilen, was für viele auch eine große Chance sein kann? Vor allem, weil es viele Zuschauer sehen werden.

B. Schulte: Ich glaube, es ist für alle eine Chance: Das ist eine Chance für den Sender, ein tolles Programm zu kriegen, für die Zuschauer, auch mal was anderes zu sehen und einen Kunstbereich zu entdecken, den sie noch gar nicht so kennen und vielleicht auch unterschätzen und natürlich für die Teilnehmer. Egal ob Profi oder Amateur, sie bekommen ein Coaching, sie lernen auch mit dem Medium Kamera umzugehen und natürlich auch ihre Nummern zu verbessern. Zusätzlich ist es für die Profis auch eine Riesenchance, weil sie sich zeigen können. Sie können sich mit ihrer Arbeit vor einem Riesenpublikum präsentieren, das sie sonst nicht unbedingt erreichen würden.

 

A. Dabs: Das ist ja für mich das Ausschlag gebende. Wenn man es schaffen könnte, dass sich tolle Leute bewerben, dann wäre das eine Chance für die gesamte Szene. Dann würde man zeigen können, welche Bandbreite, was für eine faszinierende Kunst dieses Theater, diese Form von Theater ist. Und ich glaube, das zu erreichen, da würde ich gerne dran mitwirken.

B. Schulte: Ja, so sehe ich das auch. 

 

A. Dabs: Ja, dann drücken wir dem Ganzen jetzt mal die Daumen und warten ab, wie es weitergeht.

 

Redaktioneller Hinweis: Dieses Interview wurde uns freundlicherweise von Annette Dabs („Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst“) zur Verfügung gestellt. Im Zuge der Verschriftlichung des Gesprächs haben wir Kürzungen vorgenommen und Aussagen zugunsten einer besseren Lesbarkeit zusammengefasst. Selbstverständlich haben Annette Dabs und Bodo Schulte den Interview-Text vor der Veröffentlichung gegengelesen und autorisiert. 

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